Alte Dias digitalisieren

Der naheliegende Weg, analoge Dias und Negative zu digitalisieren, ist das Scannen mit einem Dia- oder Film-Scanner. Es gibt dafür Scanner, die einzelne Filmstreifen oder gerahmte Dias verarbeiten oder Magazinscanner, die in Batchverarbeitung gängige Diamagazine scannen.

Wer Wert auf die höchst mögliche Scan-Qualität legt ist mit einer solchen Lösung gut beraten. Liegt die Priorität aber eher auf einer mittleren Qualität, dafür sollen aber eine große Menge von Bildern verarbeiten werden, dann bietet sich auch eine andere Lösung an: Das Abfotografieren mit einem Diaduplikator. Ist das viel Handarbeit? Ja, aber selbst Diascanner mit Magazin-Verarbeitung arbeiten nicht gänzlich ohne Überwachung, wie hier und da zu lesen ist.
Der typische Anwendungsfall ist die Digitalisierung des eigenen Dia-Archivs, nicht um daraus anschließend Top-Poster drucken zu lassen, sondern eher zur elektronischen Sicherung, Verwaltung und gelegentlichen Betrachtung am Bildschirm. Was nicht heißt, dass ein einfacher 10x15-Abzug mit dieser Methode nicht gut möglich wäre.

Wenn man den für sich passenden Workflow heraus hat und auch noch etwas Übung, dann dauert der Scan für ein einzelnes Bild nur mehr wenige Sekunden (mal abgesehen von der Nachbearbeitung), so dass einige Diakästen in der Stunde zu schaffen sind.

Vorteile:

  • Im Gegensatz zum Diascanner ist der eigentliche Scanvorgang wesentlich kürzer. Er dauert nämlich nur den Bruchteil der Sekunde der gewählten Belichtungszeit (z.B. 1/125sec).
  • Arbeitet man im RAW-Format, so sichert man sich so viel Information wie möglich aus dem alten Bild, die einem dann Raum für Farb- und Gradationskorrekturen lassen

Nachteile:

  • Natürlich ist die Auflösung beim Scannen um einiges geringer als mit einem Scanner - je nachdem, welche D-SLR man einsetzen kann. In der Praxis zeigt sich aber, dass die Limitierung eher in der Qualität das Ausgangsmaterials liegt (Schärfe/Rauschen/Belichtung).

Weitere Aspekte:

Mit einem zoomfähigen Diaduplikator kann man auch mit einer Crop-Kamera arbeiten. Man sollte für eine gleichmäßige und konstante Ausleuchtung sorgen. Bewährt hat sich das direkte, entfesselte Gegenblitzen durch eine kleine Softbox. Unbedingt nötig ist auch ein ausreichend helles Einstellicht. Jedes Dia muss einigermaßen justiert werden, und dafür muss man wenigstens die Ränder des Bildes im Kamerasucher erahnen können. Will man das Ganze für Negative machen, dann sollte man sich einen Raw-Converter suchen, mit dem Invertierung der Gradationskurve möglich ist. Ansonsten hat man einen sehr umständlichen Worksflow, um zu akzeptablen Ergebnissen zu kommen, insbesondere in der Farbeinstellung. Denn, um nicht die Vorteile des RAW-Formats wieder zu verlieren, möchte man die wesentlichen Korrekturen natürlich am 16bit-Bild vornehmen - eine Einschätzung des Ergebnisses solcher Korrekturen am Negativ-Bild bleibt aber sicher einigen Spezialisten mit viel Übung vorbehalten.

(c) Andreas M. Beck, lumo de mondo, 23.2.2008