Fahrrad fahren in den Lüften

Zeppelin oder Blimp?

Der Zeppelin NT fliegt - er fährt nicht, wie ein Ballon - denn er ist tatsächlich schwerer als die ihn umgebende Luft. Seine Gewichtskraft, die per Erdanziehung nach unten wirkt, kompensiert er also nur zum Teil durch das Helium in seiner Hülle. Den übrigen Teil hebt er durch die Stellung seiner dreh- und schwenkbaren Propeller an. Im Vorwärtsflug kompensiert er in etwa 200-300kg Gewichtskraft durch seine Hülle, die dann wie eine riesige Trafläche als Ganzes auf der Luft gleitet und dadurch Auftrieb erzeugt.

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Es gibt tatsächlich auf der Welt nur 3 Zeppeline - denn die Deutsche Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen legt großen Wert auf den kleinen Unterschied. Den kleinen Unterschied zwischen einem Zeppelin und einem Blimp nämlich. Denn das was man gelegentlich mit Bier, Autoreifen oder sonstiger Werbung über manchen Städten kreisen sieht, ist keineswegs ein Zeppelin sondern schlicht ein Blimp. Ein Zeppelin hat eine innere starre tragende Struktur in seiner Hülle. Ein Blimp nicht. Er ist nur ein großer aufgeblasener Sack, an dem eine Gondel hängt. Von aussen ist das an einem Merkmal sehr schnell und leicht unterscheidbar: Ein Zeppelin hat seine Motoren oben an der Hülle befestigt. Ein Blimp dagegen outet sich dadurch, dass alle Motoren ausschließlich direkt an der Gondel hängen. Denn seine wabernde Hülle würde dem Schub der Motoren nicht genug Halt bieten, um das ganze Gefährt vorwärts zu treiben.

"Die Brücke" auf dem Luftschiff

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Der Zeppelin NT hat ein modernes sog. "Glass-Cockpit", d.h. die wesentlichen Instrumente zur Anzeige der Fluglage, Funknavigation, Zustand der Motoren und der Steuerung der Ballonhülle sind moderne Bildschirmanzeigen, die wie übliche durch alte "steam gauges" ("Dampf-Anzeiger") redundant gedoppelt sind. Als Motorflugzeug-Pilot findet man sich schnell zurecht - ungewohnt sind da nur die Bedienhebel und Anzeige zur Steuerung der 3 schwenkbaren Motoren (VTOL-Flugzeug-Piloten dürften selbst diese ein wenig vertraut sein) und die selbigen zur Steuerung der Ausdehnung des Helium-Gases in der Hülle - beide, um Steigen und Sinken des Gefährts wirkungsvoll zu kontrollieren. Jedenfalls erscheint einen beim Zuschauen von Start- und Landemanövern und im Kurvenflug der Zeppelin als sehr wendig, was so gar nicht zu seiner Größe und Walfischhaften Anmutung passen mag.

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Das Reisen - wie "Fahrrad fahren in den Lüften"

Wenn Ballon fahren wie Spazieren gehen in den Lüften ist, dann ist Zeppelin fliegen wie Fahrrad fahren - vielleicht ein bisschen schneller, aber immer noch sehr gemächlich und leise. Man kommt herum, aber es geht sehr entspannt zu. Das Ganze bei sonorem Brummen der Motoren bei 2000 Umdrehungen pro Minute und einem Propellergeräusch, das eher nach Luft fächeln klingt. Ganz anders als das eher brutalen Brausen eines Turbojet-Propellers. Schade eigentlich, dass Zeppelinreisen bisher nur von A nach A angeboten werden und nicht von A nach B. Viel entspannter geht es eigentlich nicht - und mit 70 km/h auf der der direkten Luftlinie wäre vermutlich sogar die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Autoreisenden zu übertreffen! Von der netten Aussicht ganz zu schweigen, nachdem es ausschließlich Fensterplätze im Zeppelin NT gibt. Nur unabhängig vom Wetter wäre man nicht.

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(c) Text und alle Fotos: Andreas M. Beck, www.lumo-de-mondo.de